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Auto, Fahrrad oder Laufen - warum die öffentlichen Verkehrsmittel in der Corona Zeit verlieren

Veröffentlicht am 27.01.2021 von Fredy Pillinger
Pendeln während Corona
Einige Verlierer der Corona-Pandemie stehen bereits heute fest. Es sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Ihre mit treuesten Kunden, die Berufspendler, wenden ihnen in steigendem Umfang in den Rücken zu. Viele von ihnen haben ein ungutes Gefühl, sich in der Hochzeit einer Pandemie mit vielen fremden Menschen in geschlossenen Fahrzeugen aufzuhalten. Bei einer Umfrage, die in Deutschland durchgeführt wurde, bestätigten dieses gesteigerte Unwohlsein immerhin 37 % der Befragten.
Unsicherheit entsteht oft daraus, dass belastbare Daten und Erfahrungen fehlen. Tatsächlich halten sich selbst Experten mit Aussagen zum Übertragungsrisiko in Bus und Bahn zurück. Aktuell hat eine chinesische Studie ein relativ hohes Übertragungsrisiko bestätigt. Diese wird eher zur weiteren Verunsicherung der Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln beitragen.
Man könnte die ganze Entwicklung auch so formulieren: Wer kann, steigt um. Auf das Auto, auf das Fahrrad, auf Laufen - oder auf Home Office. Den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, laufen und setzen ihre Kunden davon. Ist es eine potenziell gute Entwicklung, eine schlechte Veränderung oder kann man sie auch nüchtern neutral betrachten?
 
Vielleicht ergibt sich aus der Corona-Pandemie ein grundsätzlich geändertes Mobilitätsverhalten. Dies könnte positive Aspekte haben. Beispielsweise könnte das Verkehrsaufkommen durch mehr Home-Office und weniger Pendelverkehr insgesamt sinken. Das könnte dem Klima und der Lebensqualität gerade in Städten nutzen. Auf der anderen Seite besteht aber auch eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass der Individualverkehr zulasten der öffentlichen Verkehrsmittel weiter zunimmt und auf einem hohen Standard verbleibt. Es nicht sehr wahrscheinlich, dass sich Pendler wieder verstärkt an öffentliche Verkehrsmittel gewöhnen, wenn sie sich in dieser Krisen-Phase zunehmend wieder an das eigene Auto gewöhnt haben. Autos und Fahrräder haben als Fahrzeuge aus der Sicht vieler Menschen auch noch weitere Vorteile. Sie schaffen das Gefühl einer grösseren Unabhängigkeit von Fahrplänen, Fahrzeug-Taktungen und Haltestellen auf festen Verkehrsrouten. Corona schärft den Blick auf diese Vorzüge des Individualverkehrs wie ein Brennglas.
 
Für den öffentlichen Nahverkehr sind die Veränderungen in Zeiten von Corona keine guten. Wird die Nachfrage geringer, besteht die Gefahr, dass der öffentliche Nahverkehr aus finanziellen Gründen ausgedünnt worden. Ein verringertes Angebot kann zu noch geringerer Nachfrage führen. Auch werden die öffentlichen Verkehrsmitteln auf längere Zeit auf Subventionsleistungen angewiesen sein. Am Ende bezahlen wir so alle für das veränderte Mobilitätsverhalten. Kann man Menschen in diesem Kontext vorwerfen, dass sie als Berufspendler weniger intensiv auf das Angebot des öffentlichen Personenverkehrs zurückgreifen? Wohl kaum. In gewisser Hinsicht ist es folgerichtig, dass Menschen im Angesicht einer ansteckenden Infektionskrankheit möglichst wenig Kontakt mit anderen auf engerem Raum haben möchten. Auch mit ausgefeilten Hygienekonzepten und Abstandsregelungen wird die Verunsicherung bei Berufspendlern mit Blick auf den öffentlichen Nahverkehr kaum zu beruhigen sein. Helfen würden nur belastbare, wissenschaftliche Daten, die ein Infektionsrisiko in öffentlichen Verkehrsmitteln nahezu ausschliessen würden. Davon abgesehen, dass solche Daten zurzeit nicht verfügbar sind, darf auch der psychologische Effekt der gefühlten Nähe in Zügen und Bahnen nicht unterschätzt werden. Nähe liebt zurzeit nur das Corona Virus.