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Schweiz 2022: Job- und Konjunkturaussichten

Veröffentlicht am 04.02.2022 von Fredy Pillinger, Verkaufsleiter ostjob.ch - Bildquelle: Getty Images
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Andauernde Corona-Massnahmen und Lieferengpässe lasten mit Beginn des Jahres 2022 auf der internationalen und nationalen Wirtschaft. Dementsprechend hat eine Expertengruppe die Wachstumsprognose für die Schweiz auf 3,0 Prozent gesenkt. Dennoch bedeutet das angesichts von 3,3 Prozent im Jahr 2021 ein überdurchnittliches Wachstum für die Schweizer Wirtschaft in den vergangenen zwei Jahren - trotz Corona!
Leichte Erholung für die Schweizer Wirtschaft trotz Corona

Durch die unsichere epidemologische Lage und die damit verbundenen Massnahmen wurde auch die Schweizer Wirtschaft in den vergangenen zwei Jahren an die Kette gelegt. Nahezu jedes fünfte Unternehmen musste Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, während zwei Drittel der Industrieunternehmen wegen Problemen im Einkauf mit Produktionsausfällen zu kämpfen hatten. Doch globale Lieferkettenprobleme und damit zusammenhängende Produktionsengpässe können die bereits 2021 einsetzende Erholung der Schweizer Wirtschaft nicht stoppen, die sich 2022 nach Angaben der Crédit Suisse fortsetzen wird. Die Ökonomen der Schweizer Grossbank gehen von einem Wirtschaftswachstum in Höhe von 2,5 Prozent aus. Höher als erwartet fällt die Inflationsrate aus, die von den Ökonomen der Crédit Suisse von 0,5 Prozent auf 1,0 Prozent im Jahr 2022 korrigiert werden muss. Dennoch bewegt sie sich in einem positiven Bereich, wodurch eine leichte Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro tolerabel ist.

Unternehmen plagen Rekrutierungsschwierigkeiten

Da stellt sich die Frage nach der Entwicklung auf dem Schweizerischen Arbeitsmarkt. Tatsächlich ist es für Arbeitgeber noch anspruchsvoller geworden, freie Stellen zu besetzen, wobei es zwischen den einzelnen Branchen signifikante Unterschiede gibt. Besonders von der Anspannung und der Suche nach qualifiziertem Fachpersonal betroffen ist die IT-Branche. Doch auch in der chemisch-pharmazeutischen Industrie, im Maschinenbau, in Architekturbüros sowie im Gesundheits- und Sozialwesen ist der Fachkräftemangel überdurchschnittlich hoch.

Gründe für die Stabilität des Schweizer Arbeitsmarktes

Dass sich der Schweizer Arbeitsmarkt bereits in der zweiten Jahreshälfte 2021 zunehmend von der Pandemie erholte, ist den getroffenen Massnahmen zu verdanken. Im Ergebnis haben diese eine Arbeitslosenquote von lediglich 3 Prozent im Jahresdurchschnitt hervorgebracht. Zwei Mal wurde die Anzahl der Taggelder erhöht sowie die maximale Bezugsdauer von Arbeitslosenentschädigung und die Überbrückungsleistungen verlängert. Auf diese Weise wurden Arbeitslose wirtschaftlich abgesichert, ohne dass die Sozialkassen belastet werden mussten. Im Februar 2021 erreicht die Kurzarbeit ihren Höchststand. Ihr ist es vor allem zu verdanken, dass sich die Beschäftigung stabilisiert hat. Ausserdem wurde die Pandemie dazu genutzt, digitale Dienstleistungen der Arbeitslosenversicherung (ALV) fortlaufend weiter zu entwickeln. Bereits seit Beginn des Jahres 2021 geht die Zahl der Arbeitslosen sowie die Zahl der registrierten Stellensuchenden kontinuierlich zurück. Nach Erhebungen des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) betrug die Zahl der Arbeitslosen im Dezember 2021 lediglich 121`728. Im gleichen Monat waren 209`676 Stellensuchende registriert, was im Vergleich zum Vormonat einen signifikanten Anstieg bedeutet.

2022: Jobwunder in der Schweiz?

Aktuell verzeichnet die Schweiz einen Rekord von 232`825 offenen Stellen - Tendenz steigend. Einer Umfrage der «SonntagsZeitung» zufolge sind es vor allem grosse Unternehmen, die im Jahr 2022 die Zahl der Mitarbeiter deutlich anheben möchten. Beispiele sind der Flugabfertiger Swissport, die Swatch Group, die Post und die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), die neue Stellen ausschreiben.

Doch auch die Branchen, die besonders unter der Corona-Krise gelitten haben, verzeichnen viele offene Stellen. Hotellerie und Gastronomie, die Tourismusbranche und auch im Pflege- und Gesundheitswesen müssen zahlreiche Stellen besetzt werden. Viele Mitarbeiter haben in diesen Bereichen ihren Job verloren, wurden in Kurzarbeit geschickt oder haben sich während des Shutdowns umorientiert und sich für andere Jobs entschieden. Doch nicht nur in diesen Bereichen fehlen qualifizierte Arbeitskräfte. Vom Fachkräftemangel besonders betroffen sind die IT-Branche, die Chemie- und Pharmaindustrie, die Architekturbranche, der Maschinenbau sowie das Gesundheits- und Sozialwesen.

Für qualifizierte Arbeitnehmer in den gefragten Berufszweigen bedeutet das, dass die Chancen 2022 auf eine Lohn- und Gehaltserhöhung gut stehen. Das liegt auch daran, dass die Arbeitgeber mehr Zeit in die Suche von qualifizierten Arbeitskräften stecken müssen. Denn es dauert aufgrund des geringeren Angebotes an Fachkräften deutlich länger, eine geeignete Person für eine ausgeschriebene Stelle zu finden. Deshalb werden sich Unternehmen deutlich mehr bemühen, qualifizierte Fachkräfte zu finden und vorhandenes Personal zu halten.