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Muss ich krankheitsbedingte Lücken in meinem Lebenslauf angeben?

Veröffentlicht am 20.01.2023 von Fredy Pillinger, Verkaufsleiter ostjob.ch - Bildquelle: Getty Images
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Ein lückenloser Lebenslauf wird bei der Jobsuche sowohl auf Bewerberseite als auch bei
Personalabteilungen gewünscht. Manche Menschen können aufgrund schwerer Krankheiten allerdings keine geradlinige Vita vorweisen. Wie geht man als Bewerber oder Bewerberin in diesem Fall am besten vor?
Wer authentisch wirkt, geniesst Vertrauen

Es ist nicht sinnvoll, eine längere berufliche Auszeit aufgrund von Krankheit als etwas anderes zu kaschieren als das, was es ist. Wer eine Phase von einem halben Jahr oder länger als "Bewerbungszeit" verkauft, tut sich selbst keinen Gefallen. Spätestens im Bewerbungsgespräch wird Ihr Gegenüber stutzig werden, wenn Sie sich in Widersprüchen verstricken oder nicht authentisch wirken. Offenheit und Transparenz ist die Voraussetzung für ein grundlegendes Vertrauen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Selbst wenn Sie nicht verpflichtet sind, der Personalabteilung individuelle Krankheitsdetails mitzuteilen, sollten Sie eine längere Erkrankung also besser nicht verschweigen. Falls Sie vollständig genesen sind, sollte dieser Punkt in Ihrem Lebenslauf auch kein Problem darstellen. Schliesslich ist für Ihren potenziellen Arbeitgeber vor allem relevant, ob Sie wieder vollständig arbeitsfähig sind oder in Zukunft immer wieder ausfallen werden. Es steht also immer die Frage im Raum, ob Ihre Erkrankung in der Vergangenheit auch in Zukunft ein Risiko darstellt.

Falls Sie nicht chronisch erkrankt sind, sollten Sie dies auf jeden Fall betonen und im Zweifel ein ärztliches Attest vorlegen. Spüren Sie aufgrund Ihrer Erkrankung allerdings weiterhin deutliche Beeinträchtigungen, sollten Sie dies in Ihrem eigenen Interesse bei der Jobsuche einbeziehen. Bewerben Sie sich also nur für Positionen, die auch wirklich zu Ihnen passen und Sie nicht überfordern. Wenn Sie zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall hatten, sollten Sie körperlich anstrengende Arbeiten besser nicht in Betracht ziehen.

Stellen Sie Ihre Motivation und Kompetenz in den Vordergrund

Sie sollten nicht vergessen: Bei einem Arbeitgeber, der mit Ihrer persönlichen Lebensgeschichte ein Problem hat und schon im Vorfeld Ihre Arbeitsfähigkeit in Frage stellt, werden Sie sich nicht wohl fühlen. Eigentlich ist es doch ein gutes Gefühl, dass Ihre neue berufliche Karriere nicht auf dem Verschweigen von Tatsachen basiert, sondern auf Ehrlichkeit und Transparenz. Machen Sie aber im Umkehrschluss auch nicht den Fehler, Ihre Krankheit zu ausführlich zu thematisieren. Das bedeutet konkret: Ihre Erkrankung sollte keinen besonders grossen Stellenwert in Ihrem Lebenslauf einnehmen, auch wenn es für Sie persönlich ein einschneidendes Erlebnis war.

Es geht nicht um eine Rechtfertigung Ihrer Vergangenheit, sondern um ein neutrales Benennen der wesentlichen Eckpunkte Ihrer Vita. Und natürlich um die Herausstellung der Tatsache, dass Sie vollständig genesen sind und sich auf eine neue Herausforderung freuen. Wenn Sie dann eingestellt werden, können Sie stolz sein, dass Sie Ihre neue Arbeitsstelle durch Authentizität statt Ausflüchte erhalten haben.

Schwäche zeigen als Ausdruck von Stärke

Es ist nicht das Ziel, ohne Schrammen durch das Leben zu gehen. Resilienz bedeutet nicht, dass man ein leichtes Leben hatte, sondern dass man Widerstände ausgehalten hat. Sich nicht unterkriegen lassen ist also die Devise. Weitsichtige Arbeitnehmer erkennen die Fähigkeit an, sich unter widrigen Umständen eine gute Position zu erarbeiten. Auch bei Ihrer neuen Arbeitsstelle werden Sie auf Widerstände stossen und müssen schwierige Situationen meistern. Gut zu wissen, dass Sie schon eine Krise - wie eine schwere Krankheit - positiv bewältigt haben.