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Mitarbeiter Ü50 - altes Eisen oder wertvoller Arbeitnehmer?

Veröffentlicht am 13.01.2023 von Henrik Jasek, Leiter ostjob.ch - Bildquelle: Getty Images
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Es sind nicht die Arbeitnehmer über 50, die nicht willens sind zu arbeiten. Nein, es sind die Arbeitgeber, die sich schwer damit tun, über 50-jährige zu beschäftigen. Angesichts des von den Unternehmen beklagten Fachkräftemangels ist das eigentlich ein Skandal, dieses enorme Potenzial an Erfahrung und Wissen brach liegen zu lassen. Warum das so ist - lassen Sie uns einen Blick auf die Sichtweise der Arbeitgeber werfen.
Mitarbeiter Ü50 - aus Sicht der Arbeitgeber

Ein neutrales Bewerbungsdossier wird anders gelesen als die üblichen Bewerbungen mit konkreten Angaben. Das bedeutet auch, dass Bewerbungen von über 50-jährigen von vornherein Schwierigkeiten haben, die nächste Bewerbungsstufe zu erreichen. Welche Einwände Arbeitgeber bezüglich älterer Arbeitnehmer haben - hier eine Übersicht:
  • Ältere Mitarbeiter sind zu teuer. Dieses Argument wird wohl am häufigsten vorgetragen, wenn es um die Beschäftigung von Arbeitnehmern der Generation 50+ geht. Doch das Argument der "teuren Alten" ist längst widerlegt, die diesbezüglich kompromissbereit sind. Ausserdem fallen die Kosten für die Altersvorsorge geringer aus, sodass im Gegenzug Zugeständnisse bezüglich des Lohns gemacht werden können.
     
  • In der Schweiz ist es der Finanzsektor, in dem ältere Arbeitnehmer häufig von einer Kündigung betroffen sind. Das ist deshalb paradox, weil gerade im Banken- und Versicherungsbereich Fachkräfte gesucht werden. Nach Angaben der Arbeitgeber ist das der Digitalisierung geschuldet. Viele ältere Arbeitnehmer seien nicht mehr in der Lage, mit der fortschreitenden Technologisierung Schritt zu halten. Nicht gerade ein starkes Argument, da die Anzahl der Nachwuchskräfte geringer ist als die Zahl der benötigten Fachkräfte. Insoweit wäre es sinnvoller, ältere Arbeitnehmer in einer vergleichsweise kurzen Zeit entsprechend aus- beziehungsweise fortzubilden anstatt auf Fachkräfte zu warten.
     
  • Unternehmen bleiben nur dann wettbewerbsfähig, wenn sie um Fachkräfte und um ältere Arbeitskräfte werben. Trotzdem wird das Potenzial älterer Arbeitskräfte nur sehr begrenzt genutzt. Gerade mal 15 Prozent der Unternehmen in der Schweiz denken um und rekrutieren Mitarbeiter jenseits der 50. Hinzu kommt, dass sich innerhalb der Altersgruppe 50plus viele vorstellen können, auch über das Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten, sodass sie dem Unternehmen eine längere Zeit erhalten bleiben.
     
  • Viele Unternehmen setzen auf eine junge Belegschaft. Sie scheinen sich der Gefahr nicht bewusst zu sein, dass eine heterogene Zusammensetzung der Mitarbeiterzufriedenheit abträglich ist. Als wesentlich erfolgreicher in Bezug auf die Produktivität haben sich altersmässig gemischte Teams erwiesen, was jedoch in der Arbeitswelt kaum Berücksichtigung findet.
     
  • Mancher jüngere Vorgesetzte "fürchtet" sich vor älteren Mitarbeitern, zu deren Qualitätsmerkmalen Problemlösungs-, Kommunikations- und Teamfähigkeit zählen. Ausserdem legen sie Wert auf sinnhafte Aufgaben, die sie im Team oder eigenverantwortlich lösen. Insoweit brauchen jüngere Führungskräfte neben Fachwissen auch Social Skills. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, kann es zu fehlender Wertschätzung auf beiden Seiten kommen. Um dieses Problem zu lösen, wäre es sinnvoll, Führungskräfte auf Fortbildungen zu schicken, um den Umgang mit älterem Personal zu erlernen.
Das sind nur einige Erklärungen für die Herausforderungen, mit denen die Generation 50Plus konfrontiert wird. Interessant ist, dass es vor allem die Unternehmen sind, die sich mit älteren Arbeitnehmern schwer tun und nicht umgekehrt.