Babyboomer gehen in Rente - was kommt danach? - ostjob.ch
510 Artikel für deine Suche.

Babyboomer gehen in Rente - was kommt danach?

Veröffentlicht am 05.05.2023 von Fredy Pillinger, Verkaufsleiter ostjob.ch - Bildquelle: Getty Images
babyboomer-in-rente-was-kommt-danach
Die Zahl der Rentner in der Schweiz steigt. Grund sind die Babyboomer, die geburtenstarken Jahrgänge von 1946 bis 1964, die dem Arbeitsmarkt den Rücken kehren und in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Angesichts des nicht nur in der Schweiz herrschenden Fachkräftemangels ist die Sorge gross, dass sich die Pensionierungswelle zu einem fortdauernden Mangel an Arbeitskräften auswachsen könnte. Ist diese Sorge begründet? Wir werfen einen Blick auf das vorhandene Zahlenmaterial.
Die Pensionierungswelle rollt

Noch nie war die Zahl der Rentner in der Schweiz so gross wie jetzt, Tendenz steigend. Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) belegen das anschaulich. Waren es im Jahr 2015 noch rund 85'000 Menschen, die zum ersten Mal Leistungen aus der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) bezogen haben, ist die Zahl im Jahr 2021 auf 96'292 Menschen angestiegen.

Doch das soll erst der Anfang sein. Angesichts dieser Entwicklung ist davon auszugehen, dass bis zum Ende dieses Jahrzehnts mehr als 2,2 Millionen Menschen in der Schweiz eine gesetzliche Rente beziehen. Heute sind es ungefähr 1,7 Millionen. Grund sind die aus dem Berufsleben scheidenden Babyboomer, auf die nicht genug jüngere und junge Arbeitskräfte nachfolgen.

Befürchtet wird, dass es so zu Lücken bei den Erwerbstätigen kommt. Auskunft gibt die sogenannte Arbeitsmarktschere, die indiziert, dass die Kluft zwischen den Arbeitnehmern, die aus dem Erwerbsleben ausscheiden, und denen, die ins Berufsleben eintreten, immer grösser wird.


Bislang lebten in der Schweiz immer mehr 20-Jährige als 65-Jährige. Dieses Verhältnis hat sich 2019 zugunsten der 65-Jährigen gedreht. In Zahlen ausgedrückt beträgt diese Differenz 14'500 Menschen. Tatsächlich sind in der Schweiz im Jahr 2023 zum ersten Mal mehr als 100'000 Menschen älter als 65 Jahre bei einer Gesamtbevölkerungszahl von knapp 9 Millionen.

Es wird davon ausgegangen, dass diese Differenz bis zum Jahr 2029 auf 28'500 ansteigen wird. Dieser Differenzbetrag ist gleichbedeutend mit der Anzahl von Menschen, die jährlich in die Schweiz einwandern müsste, um das Arbeitskräftepotenzial konstant auf dem derzeitigen Niveau zu halten.


Pensionierung der Babyboomer und die Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft

Bezüglich der Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft dominieren negative Szenarien - mit diesen möglichen Folgen:
  • Verschärfung des Fachkräftemangels
  • Ausdehnung des Fachkräftemangels von hoch qualifizierten auch auf mittel und weniger qualifizierte Arbeitskräfte
  • Gefahr, dass aus dem Fachkräftemangel ein genereller Arbeitskräftemangel wird

Die Pensionierung der Babyboomer wird nicht nur auf dem Arbeitsmarkt Lücken reissen. Der demografische Wandel wird sich auch auf andere Bereichen auswirken, zum Beispiel auf die Rentenkasse, auf den Immobilienmarkt, auf die Steuereinnahmen und auf die Staatsausgaben.

Was tun gegen den Arbeitskräftemangel?

Umso wichtiger ist es, jetzt auf diese Situation zu reagieren. Erste Veränderungen gibt es, doch es fehlt an Einsichtsvermögen, an Kreativität, Flexibilität und an Tatkraft. Langsam begreifen die Unternehmen, dass es sinnvoll ist, Nachwuchskräfte im eigenen Unternehmen auszubilden, auch wenn es mit einem menschlichen und finanziellen Aufwand verbunden ist. Immerhin ist es eine zukunftssichernde Investition in das eigene Unternehmen.

Ausserdem werden sich Arbeitgeber daran gewöhnen müssen, dass sie um Arbeitnehmer bemühen müssen und nicht umgekehrt wie in den vergangenen Jahrzehnten. Dafür müssen sich Unternehmen einiges einfallen lassen. Mit Gratifikationen und Benefits allein ist es nicht getan.

Unternehmenseigene Kindergrippen und gegebenenfalls Werkswohnungen sind da weitaus attraktiver. Eines ist jetzt schon klar: Zuwanderung allein wird das Problem nicht lösen, da die wichtigsten Zuwanderungsländer in Europa meist noch drastischer von der Alterung der Bevölkerung betroffen sind.