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Mit welchen Risiken ist «Loud Quitting» verbunden?

Veröffentlicht am 09.06.2023 von Fredy Pillinger, Verkaufsleiter ostjob.ch - Bildquelle: Getty Images
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«Loud Quitting» ist ein neues Phänomen, das seinen Ursprung in den USA hat. Dabei versuchen Arbeitnehmende, mit einer Kündigungsandrohung mehr Lohn oder andere berufliche Vorteile zu erwirken. Sie dokumentieren das mit Kurzvideos auf sozialen Plattformen. Das Vorgehen birgt einige Gefahren.
Ein fragwürdiger Trend?

Unter dem Englischen Begriff «Loud Quitting», wörtlich übersetzt «Lautes Kündigen», wird eine Praxis beschrieben, bei der es nicht wirklich ums Kündigen einer Stelle geht. Daher greift die Übersetzung ohne näheres Vorwissen zu kurz. Bei «Loud Quitting» geht aus Arbeitnehmersicht darum, bestimmte Forderungen gegenüber Vorgesetzten zu stellen. Als Druckmittel wird die Kündigung in Aussicht gestellt.

Es ist keine völlig neue Verhandlungsstrategie. Dank digitaler Techniken ist sie jedoch um einen wichtigen Aspekt erweitert worden. Das Besondere daran ist nämlich, dass die Arbeitnehmenden als «Loud Quitter» von sich kurze Videos für die Social-Media-Plattformen wie TikTok hochladen. Auf diese Weise veröffentlichen sie ihr Ansinnen gegenüber ihren Followern und anderen Interessierten.

Darüber haben bereits im vergangenen Jahr US-Medien berichtet. In Europa ist das Thema seit Anfang 2023 ins Rollen gekommen. Auch Schweizer Medien haben den einen oder anderen Bericht publiziert. Manche Beobachter und Arbeitsmarktfachleute sehen im «Loud Quitting» einen problematischen Trend, raten davon ab und verweisen auf ernst zu nehmende Risiken.

Eine Generationenfrage

Die Gruppe Leute, die mit «Loud Quitting» auffallen, sind meist jünger als 40 Jahre alt und
werden den Millennials und der Generation Z zugerechnet. Ob es mehr Männer oder Frauen sind, bleibt noch festzustellen. Sie gelten als Digital Natives, da sie in einer Zeitperiode aufwuchsen, in der Computer und Mobiltelefonie für viele Menschen bereits zum Alltag gehörten. So wird auch ihre mangelnde Scheu erklärt, sich bei allerlei privaten, gar vertraulichen Dingen via soziale Medien öffentlich auszutauschen.

Nicht ohne Plan

Die aktuelle Arbeitsmarktlage sieht in der Schweiz so aus, dass es viele Stellen zu besetzen gibt. Fachkräfte in der Informatikbranche, im Ingenieurswesen, im Handwerk in Pflegeberufen und im Gastronomiebereich sind sehr begehrt. Das könnte die Eine oder den Anderen dazu inspirieren, mittels «Loud Quitting» Forderungen nach höherem Lohn zu stellen. Oder lieber gleich eine Beförderung.

Es ist eine betriebliche Kulturfrage, ob und wie gut «Loud Quitting» ankommt. Das muss jedermann selbst herausfinden und sich mit einem tauglichen Plan aufs Verhandlungsgespräch vorbereiten. Es gilt die eigenen Qualifikationen kritisch zu evaluieren und dabei auch die Sicht des Arbeitgebers einzunehmen.

Wer mit Kündigung droht, muss damit rechnen zu gehen. Ein konziliantes Vorsprechen ist unter Umständen klüger. Kaum jemand lässt sich gerne so unter Druck setzen, auch nicht mit freundlichen Worten. Daher ist Vorsicht geboten auch hinsichtlich jener TikTok-Videos. Wer weiss, wie lange die im Netz noch zu finden sind. Das könnte sich eines Tages nachteilig auswirken.

Wer bereits eine andere Stelle verbindlich in Aussicht hat, kann in der gegenwärtigen Position gewiss mit mehr Nachdruck und innerer Überzeugung auftreten, um Forderungen zu stellen. Das wird auch das Gegenüber - zumindest unbewusst - so wahrnehmen. Der Erfolg hängt letztlich auch davon ab, wie realistisch das Gewünschte ist, und ob der Arbeitgeber gewillt und in der Lage ist, dem nachzukommen.