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Bewerbungstrend: Raucher unerwünscht?

Veröffentlicht am 16.01.2020 von Henrik Jasek
Nichtraucher vs. Raucher
Selbst der stärkste Raucher weiss um die gesundheitsgefährdende Wirkung des Tabakkonsums. Wenn Sie eine neue Stelle suchen, könnte Ihnen die Lust an der Zigarette demnächst jedoch zum Verhängnis werden. Denn immer mehr Schweizer Unternehmen akzeptieren nur noch Bewerbungen von Nichtrauchern. Hier erfahren Sie die Argumente der aktuellen Debatte, die gerade die Arbeitswelt bewegt
Massive wirtschaftliche Folgen durch Tabakkonsum

"Krankheitslast durch Tabakkonsum" heisst eine jüngst veröffentlichte Studie, die rauchenden Schweizern den Spiegel vorhält. 9500 Todesfälle gehen pro Jahr auf das Konto von Tabak, hinzu kommen massive gesundheitliche Einschränkungen bei Tausenden von Arbeitnehmern. Wer raucht, fällt häufiger im Arbeitsleben aus, so der Rückschluss. Darunter leidet nicht nur die Gesundheitskasse, die für die Kosten rund ums Rauchen jährlich drei Milliarden Franken ausgeben muss, sondern auch die Produktivität. Schätzungen besagen, dass Unternehmen insgesamt einen Produktionsverlust von zwei Milliarden Franken jährlich durch den Tabakkonsum haben. Eine gewaltige Summe, die offenbar dazu führt, dass immer mehr Firmen Raucher schon vom Bewerbungsverfahren ausschliessen.

Nichtraucher sind leistungsfähiger
Zunehmend ist in Stellenausschreibungen zu lesen, dass nur Bewerbungen von Nichtrauchern erwünscht sind. Auch wenn das ein angenehmer Nebeneffekt ist, geht es den Personalern dabei nicht um einen besseren Geruch in den Räumlichkeiten. Ausgegangen wird von der Annahme, dass Nichtraucher produktiver seien. Sie müssen den Schreibtisch nicht für Zigarettenpausen verlassen und können voll konzentriert bei der Arbeit bleiben. Da Tabakkonsum krank macht, sind zudem über die Jahre hinweg weniger Ausfälle im Unternehmen zu verzeichnen. Raucherbereiche müssen nicht eingerichtet werden und Lösungen wie die erneute Datenerfassung bei einer Zigarettenpause nicht mehr ausgetüftelt werden.

Unternehmen entgeht möglicherweise der beste Bewerber
Die Gegner des Bewerbungsverbotes für Raucher sehen die Debatte zu einseitig geführt. Schliesslich haben auch Alkohol, Medikamente oder Süssigkeiten schwerwiegende Folgen auf die Gesundheit. Da aktuell nur Raucher das Nachsehen haben, könnte das in Zukunft dazu führen, dass Bewerber ihre Laufbahn mit einer Lüge starten. Ob die Produktivität wirklich noch so gross ist, wenn die nächste Pause herbeigesehnt wird, um heimlich zu rauchen, ist eine weitere berechtigte Frage. Rauchen kann beim Abbau von Stress und Nervosität helfen. Gerade in sehr kopflastigen und leistungsorientierten Jobs hilft die Zigarettenpause manchen Mitarbeitern, wieder klare Gedanken zu fassen. Durch das Ausschlusskriterium Zigarette hält der möglicherweise beste Kandidat zudem Abstand von einer Bewerbung. Dadurch wird zuletzt auch der Pool der Qualifizierten leerer.

Nichtrauchen vor Qualifikation?
Natürlich ist der durch den Tabakkonsum verursachte wirtschaftliche Schaden ein Problem. Auf der anderen Seite sparen die Raucher jedoch Gelder ein. Vor allem bei AHV und Pensionskasse. Die Rechnung ist denkbar einfach: Da Raucher kürzer leben, entsteht durch den früheren Tod ein finanzieller Mehrwert. Die Kassen müssen weniger Pension auszahlen und auch Unternehmen zahlen unter dem Strich weniger Beiträge ein. Da Nichtraucher als langlebiger gelten, sind sie deutlich teurer. Das mag überspitzt klingen, zeigt jedoch, dass die Debatte um rauchende oder nicht rauchende Mitarbeiter nicht eindimensional geführt werden darf. Wichtig ist jedoch, dass Unternehmen in der Diskussion nicht ihr zentrales Anliegen aus den Augen verlieren. Denn in jedem Bewerbungsprozess geht es darum, den besten Mitarbeiter für die vakante Position zu finden und nicht die Frage nach der Zigarette zuerst zu klären.